DIE TUNNEL VON GAZA
 
Wo ist unter den Tunneln von Gaza                        a6h-
ein Friedensfundament,                                           a6h-
belastbar mit Zuversicht,                                         a6h-
obwohl man Hoffnung kaum noch kennt,                 a6h-
auf dem sich eine friedliche                                     H8e
Zukunft bauen lässt                                                H8e
und man junge Generationen nicht bewaffnet          F-
in Uniformen presst.                                                E
 
Zu den Gazatunneln sind unter Kinderbetten 
Zugänge versteckt,
man hat Schächte und breite Stollen unter 
Kliniken und Schulen entdeckt.
Da könn‘ Autos drin fahrn, Waffen transportiern, 
dahin, wo man sie haben will, 
Menschen zu töten, deren Lebensrecht man leugnet, 
daher bezichtigt man sie schrill.
 
Wird ein Genozid gegen ein Nachbarvolk 
seit Jahren propagiert,
ein Volk mit Hass überzieht, es permanent beschießt, 
zur Vernichtung aufgefordert wird,
wenn es sich wehrt, ein Aufschrei kommt, 
und man sagt, guckt mal, was da geschieht -
überm Land, durch das Mörder ihre Tunnel zogen, 
vollzieht man einen Genozid…
 
Die Erbauer haben ihre Tunnel gegraben 
nur zu einem Zweck
zur Flucht nach Terror und Ermordungen 
in ein sicheres Versteck.
Kinder, Kranke, Zivilisten 
hat man als Schutzschilde missbraucht,
die Waffen im Terror eingesetzt und ist danach 
in den Tunnel abgetaucht.
 
Und die Mörder kriegen Geld für Waffenkauf 
und ihr Terror wird gut finanziert,
zur Vernichtung derer, deren Lebensrecht man 
nicht sieht und sie endlos bombardiert.
Vom Fluss bis ins Meer will man das Volk vertreiben. 
Man begeht einen Massenmord
mit beispielloser Brutalität – 
zur Beschreibung fehlt jedes Wort.
 
Es schießen Mörder blindwütig aus Gaza, 
andere kommen zum Morden heraus,
andere schießend mordend nach Gaza, 
ziehn dort mordend von Haus zu Haus.
bedauern die Toten, die man dort hinterlässt, 
vermeiden ließen sie sich nicht.
Es sind nur die eigenen Angehörigen, 
deren Tot das Herz zerbricht.
 
Man lässt Tote nackt verstümmelt zurück,
entführt Geiseln in die Tunnelwelt,
die man freilassen will oder sterben lässt, 
wenn man nicht, was man fordert, erhält.
Und ein Teil der Welt reagiert entsetzt, 
ein anderer Teil sagt: „Selber schuld -
das habt ihr selbst zu verantworten, 
denn irgendwann reißt die Geduld…
 
Ihr habt Menschen aus ihrer Heimat verdrängt, 
eure Siedlungen ausgedehnt,
gewaltsam verjagt, die euch im Wege warn, 
gegen Vertreibung sich aufgelehnt.“
Und der Hass auf beiden Seiten wächst 
und der Krieg wird permanent,
und niemand mehr die dafür Verantwortlichen 
von den friedlichen Leuten trennt.
 
Und fassungslos hört man, die Regierung der Opfer 
hat die Täter jahrelang finanziert,
um die Feinde zu spalten und nicht etwa 
einen Friedensprozess riskiert,
überwies man den Terroristen Geld, um sie 
zu stärken gegen Konkurrenz,
Mörder finanziert, nach dem Motto „Teile und herrsche“, 
die du auch sicher kennst.
 
Um dem Dauerbeschuss ein Ende zu setzen, 
man ohne Bomben leben könnt,
greift man die Terrorbande in den Tunneln an, 
die kein Lebensrecht andern gönnt.
Man muss durch Krankenhäuser, unter Kinderbetten rein 
in das tiefe Tunnelsystem,
um den Mördern und ihren Anführern 
Schutz und Waffenlager zu nehm‘.
 
Und das Land über den Tunneln wird dadurch 
ein einziges Trümmerfeld,
von Vertriebenen bevölkert, kein Mächtiger sich 
dem Wahnsinn entgegenstellt.
Kinder sterben, Alte auch, 
Frauen, Männer, Tiere, Jung und Alt -
sie kennen seit Jahrzehnten nur 
die Mördersprache der Gewalt.
 
Wo ist unter den Tunneln von Gaza 
ein Friedensfundament,
belastbar mit Zuversicht, 
obwohl man Hoffnung kaum noch kennt, 
auf dem sich eine friedliche 
Zukunft bauen lässt
und man junge Generationen nicht bewaffnet 
in Uniformen presst.
 
© 2023 Gerd Schinkel