BRUNSLINGEN

 

 

 

Sie haben sicher kein Problem mit dem Entsorgen,

 

fragen nicht nach Zukunft, fragen nicht nach morgen.

 

Sie sind, wenn es so weit ist, längst nicht mehr da,

 

und ihre Enkel wissen nicht, wie‘s früher war…

 

Mit dem Atommüll ist das überall dasselbe,

 

in Brunsbüttel, Brokdorf, Stade an der Elbe -

 

Man fragt, wohin nun mit dem Abriss, weil der strahlt -

 

man nie geklärt hat, wer das eigentlich bezahlt.

 

 

 

Man gönnt sich eben ja gern ein schönes Leben

Und dabei kann doch mancher manchem sehr viele geben.

Wäsch die eine Hand die andere, geht’s doch leicht –

Am Ende seines Lebens hat man was erreicht.

 

 

 

Brunsbüttel liegt am letzten Unterlauf der Elbe.

 

der Meiler dort, der ist seit Jahren schon derselbe,

 

inzwischen aber läuft er lange schon nicht mehr -

 

die Elbe fließt, als ob nie was gewesen wär.

 

Abgeschaltet kann er keinen Strom erzeugen.

 

Schafe am Deich dort friedlich ihre Lämmer säugen

 

Sie sehn, wie träge dort der Strom vorüber fließt

 

sich aus der Elbe in die Nordsee bald ergießt.

 

 

 

Hinterm Deich will man den Meiler jetzt zurückbaun -

 

wer mag, der kann dabei von weitem auch noch zuschaun.

 

Da entsteht dabei ne Menge Schrott und Schutt -

 

Im Norden sagt man dazu nur: „Wat mutt dat mutt.“

 

Beim Abriss bleiben immer doch ne Menge Reste,

 

manche, die liegen locker rum, sind nicht mehr feste,

 

denn keiner wirklich weiß, wohin die schließlich solln -

 

wer will schon radioaktiven Abfall wolln….

 

 

 

Gibts keine Müllkippe, kein‘ Schrottplatz, keine Halde,

 

keine Grube, keine Grotte tief im Walde,

 

keine Höhle, keinen Steinbruch, keinen Schacht,

 

als Antwort auf die Frage, was man damit macht.

 

Kein Loch, kein Keller, keinen stillgelegten Stollen

 

kein Tal mit Abhang, um die Fässer wegzurollen,

 

Acker, Wiese, Weide, Feld, ich sag es gleich,

 

komm nicht in Frage, auch nicht Tümpel oder Teich.

 

 

 

Man könnt Atommanagern unter ihren Hintern,

 

ein wenig wärmer machen, wolln sie überwintern.

 

Es freut sich sicherlich darüber ganz bestimmt,

 

wer einen Brennstab unterm Haus als Heizung nimmt.

 

Ein Abfall sollte radioaktiv nicht strahlen -

 

Es macht gewiss kein Spaß, sich sowas auszumalen,

 

doch das Problem ist ja mitnichten abgeebbt,

 

Entsorgung wurde ja jahrzehntelang verschleppt.

 

 

 

Die haben sicher kein Problem mit dem Entsorgen,

 

die kriegen sicher alles, was sie wolln, verborgen.

 

Denn im Verschwinden lassen, sind sie gar nicht schlecht –

 

Probleme wärn da höchstens mit Gesetz und Recht.

 

Da wird ja nur von Paragrafen was verboten.

 

Es nützt, hat man der Staatsanwaltschaft was geboten…

 

Wenn man den Abfall einfach irgendwo vergisst –

 

Und auch behauptet, dass der nicht gefährlich ist.

 

 

 

Entsorgung geht in Permafrost, Tundra und Taiga -,

 

man muss ja nicht alles erzählen als Verschweiger…

 

An Paragrafen gehen Wege auch vorbei –

 

und ohne Ankläger hat doch ein Richter frei…

 

Exporte von Atommüll – muss man die erlauben?

 

Man braucht in Lingen, was man hört, ja nicht zu glauben.

 

Und ein Joint Venture sichert doch Verbundenheit –

 

Und die ist immer nützlich, grad in schwerer Zeit.

 

 

 

Wer Schmiergeld zahlt, hat immer auch eine Erwartung.

 

Was kriegen die bloß von Experten für Beratung?

 

Wie man mit Recht umgeht, Gesetze auch umgeht,

 

kriegt keiner raus, solang man keinem was gesteht.

 

Im Zweifel geht’s um Wohlstand und um Arbeitsplätze.

 

Man sagt, wie sehr man sich doch gegenseitig schätze.

 

Am Ende macht man dann noch irgendeinen Deal –

 

Und so erreicht man auch auf Umwegen sein Ziel-

 

 

 

© 2023 Gerd Schinkel