DIE HOFFNUNG STIRBT ZULETZT

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt –

doch die Wahrheit unaufhörlich.

Weil ich dabei gewesen bin,

weiß ich, seh ich, hör ich,

wie es wirklich war,

was gelogen ist,

was war tatsächlich wahr –

wie war es gewiss.

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt –

die Wahrheit stirbt allmählich.

Gebrochene Versprechen

verraten sind so schmählich.

Hört auf, zu beschönigen –

es gibt nichts zu verklärn,

es gilt, nichts zu vergessen

und sich jetzt zu wehrn.

 

Refrain:

Die Hoffnung stirbt zuletzt –

die Wahrheit geht zugrunde.

Lügen überleben

und sind in aller Munde,

gehn in alle Ohren,

verkleben das Gehirn,

verdrehen jede Wirklichkeit,

täuschen und verwirrn.

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt –

die Wahrheit liegt im Koma -

und wer sie offen meucheln will,

pfeift fröhlich „La Paloma“,

tut so, als wenn nichts wäre,

als ob gar nichts passiert,

es auch gar nicht so schlimm wär,

wird die Wahrheit liquidiert.

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt –

die Wahrheit ist gebrochen.

Vertrauen ist verlorn,

Zuversicht hat sich verkrochen.

wer noch einen Rest hat,

der klammert sich ans Leben

hat er noch Kraftreserven,

kann er sie andern geben.

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt –

die Wahrheit wird bestattet,

bleibt Gegenwehr vergessen,

und Widerstand ermattet.

War es das gewesen?

Kommt nichts mehr danach?

Liegt das vielleicht daran,

weil man zu leise widersprach?

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt –

die Wahrheit ist begraben,

Hoffnung wird versteckt –

jeder will sie haben

wie will man sie hüten?

Kann man sie bewahrn?

Oder kann man sie sich

ohne Wahrheit sparn?

 

© 2023 Gerd Schinkel