GOTT BEWAHRE                                                 DD/0

 

 

 

Ich blicke in die Wiege                                           D

 

auf ein grad gebor‘nes Kind,                                 D

 

in dem ich zweifellos                                              D

 

meine Tochter wieder find.                                    D

 

Der Papa strahlt vor Glück                                    G

 

und die Mama sowieso -                                        D

 

die Oma ist erleichtert,                                           A

 

und ich bin genauso froh,                                      GD     

 

dass ich mit Dankbarkeit nicht spare,                    A

 

und denk ganz ergriffen: „Gott bewahre…             G

 

dies Glück noch                                                      D

 

eine ganze Menge Jahre.“                                    AG D

 

 

 

Ich schau aus meinem Fenster,

 

draußen sprießt die Frühlingspracht.

 

Die Natur soeben

 

aus dem Winterschlaf erwacht,

 

die Vögel baun mit Eifer

 

sich zur Fortpflanzung ihr Nest -

 

ich hoffe, dass die Nachbar-Katze

 

sie in Ruhe lässt…

 

und ihnen nichts beim Brüten widerfahre

 

und denke, dies befürchtend, „Gott bewahre

 

erhalt dies Paradies

 

noch ein paar Jahre…“

 

 

 

Ich fahre in die Börde,

 

dorthin wo es Löß noch gibt,

 

wo RWE die Bagger

 

unaufhaltsam weiterschiebt.

 

Die rücken immer näher,

 

bester Boden geht bei drauf.

 

RWE drängt Grundstücks-

 

eigentümer zum Verkauf.

 

Ich hoff, das Schicksal ihnen dies erspare,

 

und denk, von Zorn ergriffen: „Gott bewahre!

 

Hoffentlich geht‘s nicht so weiter

 

noch ein paar Jahre.“

 

 

 

Ich fahre durch die Dörfer,

 

viele Häuser stehn schon leer,

 

der Abriss droht für Braunkohle –

 

dabei braucht die keiner mehr,

 

RWE beharrt auf

 

unverändertem Gewinn.

 

doch mancher, der vertrieben wird,

 

will nicht woanders hin

 

und betet, dass man ihm dies erspare.

 

Er fleht zum Himmel: „Gott bewahre -

 

lasst mich doch hier bleiben

 

meine letzten Jahre.“

 

 

 

Mancher denkt, wenn ich hier wegzieh,

 

nur ins tiefe Grab -

 

wenn Bagger kommen, dann

 

verlier ich alles, was ich hab:

 

die Heimat meiner Vorfahrn,

 

und ich weiß, mein Herz zerreißt,

 

wenn RWE mich übern Tisch zieht

 

und mich so bescheißt…

 

Verzweifelt rauft sich mancher seine Haare

 

und hofft, dass seine Kirche Gott bewahre,

 

und sie im Dorf noch

 

stehnbleibt viele Jahre.

 

 

 

Der Pfarrer und der Bischof

 

frömmeln sich die Bälle zu,

 

haben, was sie wollten

 

und wolln jetzt nur ihre Ruh‘.

 

Die Kirchen sind entwidmet

 

und die Glocken längst entfernt,

 

der Friedhof platt gemacht,

 

alle Grabstätten entkernt:

 

Familien-, Einzelgräber und für Paare –

 

das Flehen umsonst, dass dies doch Gott bewahre…

 

in der Gemeinde jedem

 

diesen Schmerz erspare.

 

 

 

Ungläubig blickt ein Mensch

 

bei Terra Nova in das Loch,

 

sieht die Spuren, wo der Bagger

 

durch die Grube kroch,

 

das Ausmaß der Zerstörung,

 

wo der Bagger in den Boden biss,

 

die Erde ausgekratzt,

 

die tiefe Wunde, die man riss…

 

Was widerfuhr der Schöpfung all die Jahre

 

Gott denkt von oben: „Gott bewahre…

 

Ob ich nicht besser Menschen

 

der Erde erspare…

 

 

 

Copyright 2021 Gerd Schinkel