EVOLUTION G/4
Wenn vor zwölftausend Jahren es mich schon gegeben hätt, GD-a6D9
als Bewohner einer Höhle – in nem Fell und ohne Bett, Gea6D9
immer auf der Mammutjagd, mit Faustkeil und mit Spieß, GD-a6D9
kein Leben, so wie ich es heut, wie andere, genieß. CH8D9G
Wär meine Lebenszeit wohl schon zwei tausend Jahre her,
wär ich vielleicht ein Sklave, bloß ein Besitz, nicht mehr,
hätt anderen zu dienen, Tag und Nacht, ein Leben lang,
würd anderes gar nicht kennen, weil‘s so war von Anfang an.
Und wir glauben, dass die Welt sich um uns dreht, F-a6D-
und leben, als ob sie nicht untergeht, F-a6D-
es bis in alle Ewigkeit so bleibt, CDGe
uns niemand aus dem Paradies vertreibt. a6D-G
Wie wär mein Leben, wäre ich vor tausend Jahrn geborn,
ich hätte es, womöglich, durch die Wikinger verlorn:
ein Schwertstreich - und schon wär mein Kopf von meinem Hals getrennt -
ich will auch gar nicht wissen, wie es ist, wenn man verbrennt…
Hätt ich vor fünf Jahrhunderten gelebt, als Bauernkriege warn -
hätte ich da mitgekämpft? Was wär mir widerfahrn?
Hätte mich ein Adelsknecht geköpft mit einem Schwert?
Das Leben eines Bauern war so gut wie gar nichts wert.
Vor hundert Jahrn, denkt mancher, war „Die gute alte Zeit“ -
„Ach, gäb‘s sie doch noch immer… und es wär noch nicht wie heut…“
Wie es damals gewesen ist, kann man auf Bildern sehn,
die Käthe Kollwitz malte - und die Sehnsucht wird vergehn.
Wie man vor fünfzig Jahrn gelebt, das ist kaum vorstellbar
für einen, der heut fünfzig, sich nicht erinnert, wie es war,
wie rasend schnell die Welt sich ändert - man es kaum versteht -
und wenn wir untergehn, sie sich vermutlich weiterdreht…
© 2025 Gerd Schinkel
GERD SCHINKEL
Sänger eigener Lieder,
deutschsprachiger Rootsmusiker,
der politischen Journalismus
musikalisch verpackt.