Die Mühle von Immerath

 

 

 

Der Dom von Immerath bewegte die Gefühle:                                 a

 

Er ist zerstört - doch Immerath hat immer noch die Mühle.             C

 

Älter als der Dom, mehr als dreihundert Jahr,                                  d

 

Ist sie ein Teil der Landschaft, die für viele Heimat war.                    E

 

Sie steht am Rand des Ortes, vom alten Dorfkern fern,

 

Wer glaubt, dass solche alten Mühln nicht mehr wichtig wärn?

 

Man ließ sie dort verfalln, setzte sie nicht mehr instand,

 

dabei ist auch die Mühle ein Symbol für dieses Land.

 

 

 

Das Windrad steht seit Jahrn, wie sehr der Wind auch weht –         CH8

Es hat sich wie ein Rad des Lebens lang im Wind gedreht,             aG

geknarrt und auch geächzt, wenn ein Sturm mal kräftig blies,         FC

und wer von fern die Mühle sah, sich von ihr grüßen ließ.               FGa

 

 

 

Ne halbe Million Ziegelsteine sind in ihr verbaut,

 

der Stadt hat sie gehört – die hat nicht mehr nach ihr geschaut.

 

So steht sie schon seit Jahrn, verlassen und längst leer

 

Mag sie im Wind verfalln - man braucht sie ja nicht mehr.

 

Ein Mühlstein hat das Korn zermahln - dabei half der Wind.

 

Das Windrad hat den Stein gedreht, so ging’s ganz geschwind.

 

Manchmal hat man Getreide gemahlen nur zu Schrot.

 

Wurde Korn zu Mehl, machte der Bäcker daraus Brot.

 

 

 

Das Windrad steht seit Jahrn, wie sehr der Wind auch weht –         CH8

Es hat sich wie ein Rad des Lebens lang im Wind gedreht,             aG

geknarrt und auch geächzt, wenn ein Sturm mal kräftig blies,         FC

und wer von fern die Mühle sah, sich von ihr grüßen ließ.               FGa

 

 

 

Die Flügel sind zerbrochn, der Mühlstein nicht mehr dort,

 

der Wind pfeift übern Tagebau, bläst die Geschichte fort.

 

Ein anderer Mühlstein, der liegt heut im neuen Immerath,

 

der alte längst verschwand, weil man sich nicht gekümmert hat.

 

Dem Mühlstein geht’s nicht anders als dem ganzen weiten Land:

 

RWE zerkratzt es ohne Sinn, ohne Verstand.

 

Die Erde kann nicht schrein und kann sich auch nicht wehrn -

 

vom Aussichtsturm aus sieht man RWE das Land verheern.

 

 

 

Das Windrad steht seit Jahrn, wie sehr der Wind auch weht –         CH8

Es hat sich wie ein Rad des Lebens lang im Wind gedreht,             aG

geknarrt und auch geächzt, wenn ein Sturm mal kräftig blies,         FC

und wer von fern die Mühle sah, sich von ihr grüßen ließ.               FGa

 

 

 

Nicht weit von dieser Mühle, da dreht sich ein Schaufelrad,

 

schürft erst die Schicht der Erde weg, die nichts zu bieten hat.

 

Nachdem der Abraum abgeräumt, kommt dann die Kohle dran -

 

und alles nur, dass man im Kraftwerk sie verfeuern kann.

 

Die Mühle zu erhaltn, dass sie stehn bleibt, wo sie steht –

 

Dazu wird sicherlich beteuert, dass das so nicht geht.

 

Der Tagebau ist sinnlos und nicht mehr zeitgemäß -

 

im Bagger sitzt der Baggerfahrer breit nur sein Gesäß.

 

 

 

Das Windrad steht seit Jahrn, wie sehr der Wind auch weht –         CH8

Es hat sich wie ein Rad des Lebens lang im Wind gedreht,             aG

geknarrt und auch geächzt, wenn ein Sturm mal kräftig blies,         FC

und wer von fern die Mühle sah, sich von ihr grüßen ließ.               FGa

 

 

 

Die Braunkohle, für Strom verfeuert, so das Klima killt,

 

und das nur, damit RWE die eigene Geldgier stillt.

 

Der Meeresspiegel steigt, weil man die Kohle hier verbrennt,

 

und sich aus Gewohnheit von dem, was mal war, schwer trennt.

 

Die Mühle steht am Tagebau, ganz nah an seinem Rand

 

auch die zertrümmert bald ein Bagger - wie das ganze Land.

 

Und sicher wird versichert, dass es sein soll wie es muss –

 

Wann ist mit dem Wahnsinn der verbrannten Heimat Schluss.

 

 

 

Das Windrad steht seit Jahrn, wie sehr der Wind auch weht –         CH8

Es hat sich wie ein Rad des Lebens lang im Wind gedreht,             aG

geknarrt und auch geächzt, wenn ein Sturm mal kräftig blies,         FC

und wer von fern die Mühle sah, sich von ihr grüßen ließ.               FGa

 

 

 

RWE verweist auf Pläne, die genehmigt sind,

 

die Mühle steht am Rand im Weg, der Abriss bald beginnt,

 

Inanspruchnahme, bergbaulich, zählt mehr als Denkmalschutz,

 

dort, wo die Mühle steht, bleibt wie vom Dom bald nur noch Schmutz.

 

An anderem Ort die Mühle hinzustelln, sei ohne Sinn,

 

die Statik sei beeinträchtigt, ein Pilz sei auch schon drin.

 

Die Antwort eine Seite lang, die Botschaft darin knapp

 

Ein Abriss mit nem Wiederaufbau – RWE lehnt ab.

 

 

 

Die Mühle stand Jahrhunderte von Sturm und Wind umweht –       CH8

Im Tagebau das Baggerschaufelrad sich näher dreht.                     aG

Die Heimat wird verfeuert, zum Profit für RWE,                             FC

Der Meeresspiegel steigt – und RWE plant einen See...                  FGa

 

 

 

Copyright 2018 Gerd Schinkel