DER VORFALL

 

Ich sang 2018 beim Klimacamp in Erkelenz -

Ich dachte, kannste machen, auch wenn du da keinen kennst.

ich sang zum Beispiel übern Domabriss in Immerath,

in einem Lied, wer alles Schuld auf sich geladen hat.

Nicht nur Vorstand, Aufsichtsrat, Sekretärin, Werkschutzmann,

Auch ein Baggerfahrer sich bei RWE doch weigern kann,

jeder, der bereitwillig sein Kohlegeld verdient -

und mir war auch klar, das Thema, das ist scharf vermint -

 

Ich sang: „Immer gäbs Leute, die alles tun für Geld -

wie Judas…“ Da hat sich ne Frau vor mich laut hingestellt,

und schrie mir in mein Lied, dies Antisemitismus sei -

Ich sagte: „Jetzt sing ich hier - wir diskutiern, ist das vorbei.“

Ich habe danach von Indigo, die sich am Judas-Wort gestört,

auch wenn ich sie hin und wieder sah, nie wieder was gehört.

hab fast jedes Jahr danach auf den Klimacamps gespielt,

solidarisch unterstützend dabei auf Gage nie geschielt.

 

Nie hat man von mir verlangt, dass ich irgendwas nicht sing,

bestimmte Themen liegenlass‘, dies und jenes gar nicht bring.

Man gab mir eher das Gefühl, ich bereicher‘ das Programm,

wenn ich begeistert singe oder anderes verdamm.

Man hat mich fest eingeplant, angekündigt, präsentiert.

Ich hatte nicht den Eindruck, mein Ruf wär ramponiert.

Soweit die Vorgeschichte, an die ich kaum noch gedacht.

Hielt sie für abgehakt - doch hab mir wohl was vorgemacht.

 

War das noch ganz koscher? Wer hat davon profitiert?

Wem hat das genutzt? Hat das mal einer registriert…?

 

2021 stand ich dann im Herbst für ne Kundgebung parat:

Sang von Gewalt vom Vater Staat, „Finger weg von Lützerath“,

von Prügelpolizisten… fragte, woher käm deren Wut -

wär die in ihren Genen oder läg die in ihrem Blut…

Ein Lied, schon einen Monat alt, hörbar auf mei‘m Kanal,

manche sangen es schon mit, in nennenswerter Zahl.

die Blicke vor mir fröhlich - niemand vor der Bühne stand

ohne lachendes Gesicht zu sehn vorm Bühnenrand.

 

Als ich nach großem Beifall danach von der Bühne kam,

ein Zwei-Frauen-Überfallkommando in Empfang mich nahm,

beschimpften mich, ich sänge antisemitische Codes,

verlangten, mich zu schulen, drohten mit Auftrittsverbot.

Das kam mir kafkaesk vor, also hab ich‘s abgelehnt,

wo’s drum ging – um Polizeigewalt -, noch mal erwähnt.

Ich trug mein Instrument zur Sicherheit auf Eckardts Hof

mir diesen Unsinn anzutun, war mir einfach zu doof.

 

Dann hört ich, wie eine der Fraun dort auf der Bühne war,

sie sprach von linkem Antisemitismus, der sei da…,

hat ohne Namensnennung mich in die Schublade gesteckt,

so getan, als hätte sie mich als Antisemiten grad entdeckt.

Sie hatte sich Redezeit erpresst, zu störn gedroht,

Zeugen fragten sich verstört, sind die Sitten so verroht…

Auf der Bühne was dazu zu sagen, bot man mir nicht an,

Ich fragte mich, wo war ich , dass man mir das antun kann.

 

War das noch ganz koscher? Wer hat davon profitiert?

Wem hat das genutzt? Hat das mal einer registriert…?

 

Ein zeitnahes Gespräch das wollte man nicht führn mit mir,

Es verging ne Woche, ein Konzert stand vor der Tür.

Ich hing in der Luft - dann klingelte mein Telefon,

Es rief bei mir Jesse an, sagte mir, sie wüßte schon.

Was ich machen könnte… das könnt sie mir sagen jetzt,

ich hätte Leute mit dem Lied - vielleicht ungewollt – verletzt.

Sollt mich per Brief entschuldigen, und damit dies was nützt,

einräumen, wenn man was nicht weiß, dies nicht vor Strafe schützt.

 

Sie hat einen „Entwurf“ diktiert, als brieflichen Kotau,

den so abzuschicken, das empfahl sie mir als schlau.

Sie legte mir dies nahe, denn sonst biss ich auf Granit –

Und sie wüsste nicht, was sonst womöglich noch geschieht.

Sie hat dabei mit Kante im Hintergrund kommuniziert,

und mir auf diese Art Kantes Vorschläge serviert…

Das Ansinnen hat sprachlos und mich fassungslos gemacht –

Hab’s abgelehnt, das hat mich völlig in Verruf gebracht.

 

War das noch ganz koscher? Wer hat davon profitiert?

Wem hat das genutzt? Hat das mal einer registriert…?

 

Am Folgetag zu singen, an der Mahnwache, wie oft,

selbstverständlich ungestört, so hatte ich gehofft.

Doch es wollten einige dort nicht nur zuschaun -

Manche Leute wollten störend sich vor mir aufbaun.

Wurd das normal in Lützerath, würd ich da konzertiern?

Hab das Konzert gecancelt, wollt kein‘ Stress riskiern.

Meine Lieder sind nicht sakrosankt, weil sie nie fertig sind.

Tausch Wörter häufig aus, auch Sätze, wenn ich bessre find.

 

Hab „Judas“, „Blut“ und „Gene“ ausgewechselt - dabei blieb,

der Sinn der Lieder ganz so, wie ich inhaltlich ihn schrieb.

Mit einer „Anklageweiber“ gab’s nen Gesprächstermin –

sie sprach von überzog’nem Vorgehn, alles schien verziehn.

von ihrer Seite kriegt leider keiner sonst das mit,

niemand würd es merken, falls sie es bestritt.

Vielleicht hat‘s in ihrm Lager daher auch keiner erfahrn,

dass wir in kleiner Runde uns weitgehend einig warn.

 

Doch in der Folgezeit wurd ich von Bühnen wegblockiert,

wegen Antisemitismus‘, hätt auch zu oft musiziert.

Hab meinen Zorn gereimt in Zeilen zu Papier gebracht.

Als Reaktion darauf mehr als ein böses Lied gemacht,

über Ausgrenzung und Defizit an Solidarität,

was nicht mehr tolerabel sei und was gewiss nicht geht.

Hab mein Kanal gefüllt, sang von Kulturrevolution -

„Campinskis“ hat‘s gewurmt. Tina schrieb mir das auch schon.

 

War das noch ganz koscher? Wer hat davon profitiert?

Wem hat das genutzt? Hat das mal einer registriert…?

 

Nach dem Pfingst-Auftritt im Wendland stand bei Twitter hinterher,

dass die Kulturelle Landpartie ne einz’ge Katastrophe wär‘.

Sexistisch und rassistisch und außerdem dabei noch ich -

mit meinen antisemitischen Liedern - sowas spräche wohl für sich.

Ein Anarchist aus Lützerath anonym die Zeilen schrieb –

Doch bei diesem Rufmord es alleine noch nicht blieb.

Man hätt mich gebeten, zeig dich nicht mehr in Lützerath,

als gäb es einen Campbeschluss, den man mir ausgerichtet hat.

 

Dies zu dementiern haben Campinskis abgelehnt

weil es nie den Beschluss gegeben habe, wurd erwähnt.

Man fühlte sich im Camp belästigt von der Drängelei

als ob ne Rufmord-Korrektur unerheblich sei.

Der Tatbestand des Rufmords war zweifelsfrei erfüllt!

Statt sich zu distanziern, hat man in Schweigen sich gehüllt..

Versucht man Leute stumm zu machen, an der‘n Klartext man sich reibt,

indem man sie absurd verdächtigt und ins Abseits treibt.

 

Die Einheit an der Kante -, wenn sie nicht schon drüber hängt -

wird so ohne Not aus der Szene rausgedrängt.

Wer zieht von hinten Fäden? Ist Handlanger von wem?

Macht es Klimavernichtern, Stigmatisierern so bequem.

Die lachen sich ins Fäustchen? - Nein! - In die geballte Faust –

Du wirst es gut erkennen, wenn du genau hinschaust.

Eine Stimme aus dem Widerstand wird so desavouiert –

die nicht verstummt – doch unterstützend sich umorientiert.

 

War das noch ganz koscher? Wer hat davon profitiert?

Wem hat das genutzt? Hat das mal einer registriert…?

 

Lasst Spaltern es nicht durchgehn, treiben sie da einen‘ Keil

zwischen uns - zeigt klare Kante, schießen sie mit Gift am Pfeil.

Wem nützen falsche Vorwürfe, durch die die Einheit bricht?

Die Hände reiben sich die Falschen, die mit uns kämpfen nicht.

Und faselt man vom „gutem Leben“, das doch nur alle wolln,

sagt ihnen, dass sie sich damit zum Teufel scheren solln.

Die Einheit der Bewegung haben sie schon längst zerlegt -

Freude sich nur bei den Profiteurn der Zwietracht regt.

 

Wenn ihr unterstützen wollt, schaut hin, wo, wann, für wen.

Eh ihr spendet, seht euch an, wohin die Spenden gehn.

Was ihr damit finanziert: Spaltung, Ausgrenzung, Verrat,

Wem welche Strategie nützt? Wer was zu sagen hat…

Es gibt noch andere, Konten, auf die man spenden kann,

Rufmord, Spaltung finanziern, bereut man irgendwann.

Fanatiker im Allmachtswahn zu alimentiern,

hilft nicht, dass sie ihr‘n Einfluss so schnell es geht, verliern.

 

© 2022 Gerd Schinkel